Die wichtigste Frage AN JEDEN FINANZBERATER

Folgende Nachricht erreichte mich vor ein paar Tagen:

„Hast du keine Lust dein leben lang täglich 8 Stunden zu schuften von Montag bis Freitag für zwei Tage Wochenende? Bis zur Rente? Du möchtest keinen stinknormalen Angestelltenjob nachgehen und Dich von Deinem Chef ausbeuten lassen? Du möchtest dem Hamsterrad entkommen? Möchtest Du zu den 1% gehören, die tatsächlich etwas aus ihrem Leben machen? Schreib mir einfach zurück und ich werde Dir Schritt für Schritt erklären, wie Du es schaffen kannst und eigenständig und passiv Geld zu verdienen. 😊“

Ja geil natürlich will ich das!!!!! Klingt aber zu schön um wahr zu sein, oder nicht?

Ich meine dieser Finanzberater (ich nenne keinen Namen, ist aber eine echte Nachricht, die ich bekommen habe) hat ja nicht unrecht. Er spricht wichtige Themen an – das sind richtig tolle Phrasen, die er da einstudiert hat.

Soll ich mal verraten, wie ich so jemandem mit einer kleinen Frage den Wind aus den Segeln nehme?

*räusper* Wie sieht denn Dein Track Record aus? (übersetzt: Zeig mir Deine Finanzhistorie (echte Berater können dann etwas vorweisen)

Und zack weg ist er. Warum? 99% der Finanz- Vermögens- Ich-mach-Dich-reich -beratung folgendes Schema steckt:

Ich verkaufe Dir eine Idee von Reichtum von der ICH profitiere. Ihr kauft meine Anleitung reich zu werden und ich werde dadurch tatsächlich reich. Das ist ein System das funktioniert. Fast die gesamte Finanzratgeber-Branche baut auf diesem Schema auf.

0815 Wirtschaftsstudenten oder Hobbyblogger sammeln einfach die plumpesten Finanzphrasen wie „Vermögen unbedingt streuen“, „Immobilien kaufen“, „10% des Einkommens sparen“ oder „durch Zinseszinseffekt reich werden“ und viele viele mehr in einem sogenannten digitalen Infoprodukt zusammen und verkaufen es Dir für 50-5000€. Und wer gewinnt? DU nicht.

Das blöde ist ja, dass das nicht nur die kleinen Betrüger betrifft, sondern auch Finanzgrößen wie zum Beispiel Warren Buffet. Er ist bekannt als der größte Investor aller Zeiten. Wenn er spricht, sabbern seine Anhänger und sind total aus dem Häuschen. Er war ja immerhin eine Zeitlang der reichste Mann auf Erden und ist immer noch ganz oben mit dabei. Das Problem ist nur folgendes:

Er tut NICHT, was er predigt. Die meisten wissen nämlich gar nicht womit Warren Buffet sein Geld verdient…

Er verkauft: Indexfonds, Sparen, „halten“ von Aktien nach dem Motto „hättest du vor 80.000 Jahren 10€ in Coca-Cola investiert hättest Du jetzt XY Millionen Euro. Ja ne, ist klar. Rein mathematisch stimmt das meist sogar. Hätte man Anfang des 20. Jahrhunderts tatsächlich in Coca-Cola investiert würde die Rechnung aufgehen – mit einem kleinen Haken: Man wäre jetzt deutlich über 100 (tot), hätte zwei Weltkriege, Rezessionen, die große Depression, Wirtschaftskrisen, persönliche Krisen und vieles mehr miterlebt – klar hätte ich dann meine 10€ Coca-Cola Aktie auf jeden Fall gehalten *zwinker*

Und jetzt wodurch er wirklich reich wurde: Ja, die Antwort Aktien ist korrekt. Doch er kaufte keine Aktien wie Du und Ich. Warren Buffet hat Firmenanteile gekauft, die ihm Zugriff auf firmeninterne Prozesse erlaubten, sodass er Aktiv in die betreffende Firma eingreifen konnte. Er saß nicht einfach da, so wie es oft dargestellt wird und kauft ein paar Aktien und wartet –  nein, er hat sich in Firmen eingekauft, die er für vielversprechend hielt, um sie dann aktiv zu verändern! Das ist eine großartige Leistung, doch uns predigt er schön sparen und Indexfonds kaufen, oder manchmal auch Stockpicking. Dadurch verdient er ebenfalls Geld.

Im kleineren Maße macht das auch jeder x-beliebige Finanzblogger. Schau Dir zum Beispiel an, wie viele Blogs über P2P-Kredite berichten. Über jede Plattform werden unendlich viele Artikel geschrieben. Warum? – WIR und ja, ich eingeschlossen, verdienen Geld, wenn DU unserem Aufruf folgst. Egal ob wir tatsächlich mit P2P Krediten handeln, wenn Du wegen Mir bei Plattform XY investierst verdiene ich mit! Genauso, wenn ich Dir sage, dass Du UNBEDINGT in ETFs investieren musst, weil das soooooo cool ist und SICHER und achja, ich bekomme für jeden geworbenen Kunden 100€. Für mich ist es also in jedem Fall profitabel, für Dich eher nicht.

>>Aber Du schreibst doch auch über solche Themen.<< Ja, dass stimmt. Ich schreibe über Bondora (P2P Plattform) und verdiene Geld, wenn Du dort Geld investierst. Ich investiere auf Bondora, und vielleicht auch bald auf AuxMoney (sind deutsche Kredite, find ich auch gut). Darüber berichte ich und teile meine Erfahrungen. Ich investiere zuerst und dann erst erzähle ich davon. Solche Affiliate Programme oder anderer Unsinn gehört nicht zu meinen unternehmerischen Zielen. Wie gesagt, ich will kein Blogger sein, sondern Unternehmer, der seinen Weg mit seinen Lesern teilt. Nochmal zurück zum Anfang:

Wie sieht denn Dein Track Record aus? – das ist DIE Frage. Wer sie nicht beantworten kann oder möchte, kann Dich nicht beraten. Ein Unternehmer lebt von der Praxis, nicht von seiner Ausbildung oder seinem theoretischen Wissen. Erfolg kann IMMER an Zahlen festgemacht werden. Wer seine Zahlen nicht zeigt, hat auch nichts zu zeigen. PUNKT.

Ich will, dass diese Plattform zu meinem eigenen Track Record wird. Welche Projekte bin ich angegangen? Wie oft bin ich gescheitert? Wie viel habe ich gelernt? Wie sieht meine persönliche Entwicklung aus?

Ganz ehrlich, ich will auch zu den Beratern, Coaches und Vorbildern gehören. Ideen zu vermitteln, vor Menschen zu sprechen, überzeugen sind meine großen Stärken, dass ist es wo ich am meisten Wert vermitteln kann. Doch wie will ich wirklich zu den Großen gehören, ohne eigenen (unternehmerischen) Track Record?

Das war schon wieder richtig persönlich, keine Struktur, keine Planung. Das kam von ganz tief drinnen. Was löst das in Dir aus? Schreib doch einen Kommentar, oder direkt über das Kontaktformular! Hast Du auch schon Erfahrungen mit „Finanzgurus/Beratern“ gemacht?

Beste Grüße,

-Julius

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