Die vier Angsttypen – welcher bist Du? Und wie kannst Du Angst für deinen Erfolg nutzen kannst

Angst die fundamentale Emotion des Menschen. Angst ist der Grund für unser Verhalten. Egal was wir tun und was wir denken, Angst spielt immer eine ursächliche Rolle. Dabei ist das gar nichts negatives. Angst ist der größte Motivator, den wir haben. Gesunde und erfolgreiche Menschen haben Angst. Angst kann aber auch zu Misserfolg und gestörtem Verhalten führen. Wer seine Angst kontrolliert hat die Freiheit sein Verhalten selbst zu steuern.

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Es gibt vier Grundformen der Angst. Diese Grundformen der Angst können uns viel darüber sagen, wer wir sind und wie wir es schaffen können uns persönlich zu entwickeln. Es ist sehr wahrscheinlich das Du dich in einer oder mehrerer dieser Grundformen wiederfindest. Das ist gut so! Angst ist ein Teil von uns allen. Es ist unmöglich ohne sie zu überleben.

1.Grundform: Angst vor der Hingabe (schizoide Persönlichkeit)
2.Grundform: Angst vor der Selbstwerdung (depressive Persönlichkeit)
3.Grundform: Angst vor der Veränderung (zwanghafte Persönlichkeit)
4.Grundform: Angst vor der Notwendigkeit (hysterische Persönlichkeit)

Lass dich nicht von den „klinischen“ Begrifflichkeiten einschüchtern, sie dienen zur Beschreibung ihrer Extremformen. Angst ist solange ein gesunder und notwendiger Teil, wie sie nicht zur Extremform mutiert und damit unser Verhalten schwerwiegend beeinträchtigt.

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Je besser wir unsere Ängste kennen, desto eher können wir sie nutzen um damit erfolgreicher zu werden.

Angst vor der Hingabe (schizoide Persönlichkeit)

Manche Menschen haben ein besonderes Bedürfnis zur >>Eigendrehung<<. Sie wollen unabhängig sein, auf niemanden angewiesen, niemandem gegenüber verpflichtet sein. Sie distanzieren sich von Mitmenschen, der Abstand zu ihnen ist sehr wichtig damit sie noch sie selbst sein können. Wer diese Grenze versucht zu überschreiben löst er den Wunsch aus Abstand zu gewinnen. Zu starke Annäherung erlebt der Schizoide als Gefährdung seiner Unabhängigkeit und er sucht nach Schutzhaltungen, mit denen er sich abschirmen kann. Menschliche Beziehungen versachlicht er gerne. Auf seine Umwelt wirkt er fern, kühl, distanziert, schwer ansprechbar, unpersönlich bis kalt. Man kann solche Personen lange kennen, ohne sie wirklich zu kennen. Selbst wenn man heute noch guten Kontakt zu ihnen hatte, kann es sein das sie sich morgen schon wieder vollständig distanziert haben. Wenn sie sich zu bedrängt fühlen, versuchen sie mit Aggression oder Feindseligkeit die Distanz wiederherzustellen. Gefühle der Zuneigung, der Sympathie, der Zärtlichkeit und der Liebe erlebt er als besonders gefährlich, da sie besonders die Nähe zu ihm betonen.

Über die Jahre wir die Lücke die zwischen ihm und seiner Umwelt klafft immer größer. Je weiter er sich entfernt desto problematischer werden die Folgen. Erfahrungen über seine Umwelt rücken in die Ferne. Daraus resultieren Unsicherheiten mit seinen Mitmenschen. Er weiß nie so recht was in anderen vorgeht – wie denn auch? Das erfährt man ja nur in vertrauter Nähe und durch Zuwendung zu und von anderen. Er ist auf Vermutungen über seine Umwelt angewiesen, weil er sich unsicher ist ob das was er fühlt, wahrnimmt. Denk oder sich vorstellt nur in ihm selbst existiert oder auch draußen.

„Blickt mich der andere wirklich spöttisch an oder bilde ich mir das nur ein?“
„Was der Chef heute wirklich besonders kühl mir gegenüber, hat er was gegen mich, war er anders als sonst – oder meine ich das nur?“
„Habe ich etwas Auffälliges an mir, stimmt etwas nicht an mir, oder täusche ich mich, dass mich die Leute so komisch ansehen?“ (S25)

Es ist für den Schizoiden schwierig diese Eindrücke zu überprüfen, dazu fehlt ihm die Nähe zu anderen. Die Folge dieser tiefen Ungeborgenheit und Angst/Misstrauen gegenüber anderen Menschen entwickeln sich besondere Eigenschaften, die dabei helfen mit der Angst umzugehene. Ganz typisch für Schizoide ist es eine überdurchschnittliche Intelligenzentwicklung bei gleichzeitiger Unterentwicklung der emotionalen Fähigkeiten zu zeigen. Sie zeichnen sich besonders durch Funktionen und Fähigkeiten aus, die ihnen dabei helfen sich in der Welt zu orientieren. Präzise Wahrnehmungen durch die Sinnesorgane, Problemlösefähigkeiten, Bewusstsein und Ratio. Sie streben nach Dingen und Erkenntnissen die von sie verunsichernden Gefühlen losgelöst sind. Sicherheit und Abgelöstsein von subjektiven Erlebnissen ist ihnen besonders wichtig. Das finden sie besonders in den exakten Wissenschaften.

„Im Rahmen seiner Ausbildung sollte ein Student ein Referat halten. Kontaktlos, wie er war, zugleich >>arrogant<< – hinter welcher Haltung er seine Unsicherheit verbarg – kam er nicht auf den Gedanken, einen Kollegen zu fragen, wie so etwas üblicherweise gehandhabt würde. Er quälte sich allein mit Problemen herum, die nur in ihm, nicht in der Sache lagen. Er war sich völlig unsicher darüber, ob seine Ausführungen den Erwartungen entsprechen würden, schwankte in ihrer Beurteilung zwischen Selbstüberschätzung und Minderwertigkeitsgefühlen, indem sie ihm einmal großartig, ja einmalig-genial erschienen, dann wieder als völlig banal und ungenügend. Es fehlten ihm eben die Vergleiche mit den Referaten anderer. Er meinte, es sei vor den Kollegen peinlich und er würde sich etwas vergeben, wenn er sie um Rate gefragt hätte – er wusste nicht, dass so etwas durchaus üblich war. So hatte er wegen seiner Unbezogenheit ganz überflüssige und überwertige Ängste, die er sich weitgehend hätte ersparen können, wäre er in natürlichem, kollegialem Kontakt gestanden.“ (S26)

Solche und ähnliche Situationen und Verhaltensweisen häufen sich im Alltag schizoider Menschen. Dabei scheint es dem Schizoiden so als wären seine Fähigkeiten schuld an seiner Angst, er realisiert nicht das seine Schwierigkeiten auf der Kontaktebene liegen und auch da angegangen werden müssen.

Angst vor der Selbstwerdung (depressive Persönlichkeit)

Hier haben wir eine Angst, die der schizoiden Persönlichkeit gegenübersteht. Ein eigenständige Ich zu werden wird als Herausfallen aus der Geborgenheit erlebt. Die Sehnsucht geliebt zu werden und lieben zu können ist eines der zentralen Merkmale der depressiven Persönlichkeit. Es spiegelt das Urbild der Mutter-Kind Beziehung wieder: bedingungslos geliebt zu werden, zu erfahren das unser Dasein andere beglückt. Empfangene Liebe gibt uns das Gefühl, das wir einen Wert haben; genauso mit unserer Liebesbereitschaft, die uns ermöglicht Liebe zurückzugeben. Die depressive Persönlichkeit hat Angst davor, diese Liebe zu verlieren, deshalb wendet er sich ganz der Ich-Aufgabe zu und vermeidet somit die Ich-Werdung.

Das Du bekommt automatisch einen Überwert. Ohne ein Du, einen Partner, ist es nicht möglich sich hinzugeben. Daraus entsteht eine Abhängigkeit. Darin besteht das zentrale Problem einer depressiven Persönlichkeit: Sie sind auf ihre Partner angewiesen, mehr als alle anderen.

„Ich brauch Dich, weil ich Dich liebe.“
„Ich liebe Dich, weil ich Dich brauche.“

Wenn ein Mensch einen anderen so dringend braucht, versucht dieser natürlich die trennende Distanz zum Partner so weit wie möglich aufzuheben. Die Distanz zwischen dem Ich und dem Du quält ihn. Genau die Distanz, die der Schizoide so schätzt, weil er sich damit schützen kann. Je ausgeprägter dieses überwertige Bedürfnis nach Nähe ist; je weniger Ich dieser Mensch zulässt, desto schlimmer fühlt sich auch die Distanz zum Partner an. Ferne, oder Trennung vom Partner bedeutet Alleingelassenwerden, Verlassenwerden, Verzweiflung, Depression.

Diese Gefühle lassen sich nur dann verhindern, wenn man viel an Eigenständigkeit und Unabhängigkeit entwickelt, um nicht so sehr auf den Partner angewiesen zu sein. Dafür müsste der depressive aber die enge Bindung zum Partner lockern und das löst in ihm direkt eine unerträgliche Verlustangst aus. Der Depressive hat eigene Taktiken, um diese Probleme zu lösen. Diese verschlimmern seine depressiven Züge aber zumeist.

Abhängigkeit gibt dem Depressiven Sicherheit. Diese Sicherheit versucht er zu erlangen indem er sich entweder von einem anderen abhängig macht oder jemand anderen von sich abhängig macht. Das verspricht eine Art Garantie gebraucht zu werden. Gebraucht werden bedeutet dabei gleichzeitig nicht verlassen zu werden. Die eine Möglichkeit besteht jetzt darin sich besonders kindlich-hilflos zu verhalten, denn wer wäre schon so lieblos ein so hilfloses Wesen zu verlassen? Das funktioniert genauso gut anders herum. Ich kann auch jemand anderen in die Hilflosigkeit stoßen und so zum Kinde machen. In beiden Fällen geht es um Abhängigkeit, von der der Depressive profitiert. Er gibt sein Ich auf und gesteht es auch seinem Partner nicht zu. Das Ganze ist ihm natürlich nicht bewusst. Er spürt die Verlustangst, die als real erlebt wird. Das dahinterstehen Problem, die Angst vor dem eigenen Ich bleibt verborgen.

Einen Kern der Wahrheit hat der Depressive verstanden. Wenn wir zu einem Individuum werden und je mehr wir zum Individuum werden, desto mehr isolieren wir uns von anderen. Das ist gleich einem natürlichen Gesetz. Dabei fallen wir aus der Geborgenheit des wie-alle-anderen-sein heraus. Der Depressive verkraftet das nicht, weil ein sich-Unterscheiden, ein anders denken oder Fühlen schon zu Verlustangst führen. Das Ich des Depressiven ist deutlich geschwächt. Daraus entsteht ein Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist.

Seine Verhaltensweisen sehen dabei nach Außen oft wie besonders moralisch wertvoll aus. Sich für andere aufzuopfern ist ja schon etwas Nobles, oder? Er macht seine Verhaltensweisen zu einer Art moralischen Ideologie, die er befolgt. Er fühlt sich moralisch überlegen, vor allem denjenigen gegenüber die von weniger aufopfernd sind. Dabei ist seine Motivation lediglich die Verlustangst. Er ist davon überzeugt etwas zu geben, dass er eigentlich noch gar nicht entwickelt hat: sein Ich.
Diese „Aufopferung“ muss der Depressive teuer bezahlen. Durch das Ausweichen vor seinen eigenen Bedürfnissen, Vorstellungen, Wünschen und Impulsen, die er trotzdem noch hat, macht er sich noch weiter abhängig von anderen. Es entsteht eine Erwartungshaltung, dass andere die eigenen Bedürfnisse erfüllen müssen, als so eine Art Belohnung für seine Bescheidenheit. Diese Erwartungen werden aber nur selten erfüllt, was zu Enttäuschungen und Depressionen führt.

„Depressive Menschen kommen im Leben gleichsam immer wieder in die Lage des Tantalus: Sie sehen die Früchte und das Wasser vor sich, die sich aber ihnen entziehen, weil sie nicht zugreifen gelernt haben oder es sich nicht erlauben. Sie können nicht fordern, sich etwas nehmen; sie können nicht gesund aggressiv sein, und all das wirkt sich zusätzlich so aus, dass sie ein geringes Selbstwertgefühl entwickeln, das nun seinerseits wieder ihren Mut zum Fordern und Zupacken schwächt.“ (S73)

Zwei Beispiele können verdeutlichen, wie die Rolle des depressiven häufiger mal aussieht:

„Eine verheiratete junge Frau sagt: >>Mein Mann geht jetzt öfters mit einem jungen Mädchen aus; ich kenne es auch, es ist sehr attraktiv und mein Mann ist leicht verführbar. Ich sitze dann zu Hause und heule; aber das soll er nicht merken. Wenn ich ihm Vorwürfe machen würde, hielte er mich für kleinbürgerlich-eifersüchtig, und ich habe Angst, ihm dadurch auf die Nerven zu fallen und ihn erst recht von mir fortzutreiben. Er sagt, Männer seien nun einmal so, und wenn ich ihn wirklich liebte, würde ich es ihm zugestehen.<<“ (S73f.) Was >>muss<< ich meinem Mann zugestehen? Sie scheint keine Vorstellung davon zu haben, was sie hinnehmen muss und wo sie die Grenze ziehen darf, wenn etwas überhaupt nicht ihrem Wesen entspricht. Mit ihrem geringen Selbstwertgefühl überschätzt sie jede Rivalin, redet sich ein ihren Mann nachvollziehen zu können. Ihre Angst ihn zu verlieren, überwiegt ihr Selbst. Das ist typisch für eine Person, die in die Abhängigkeit abgedriftet ist und den Bezug zu „normalen“ Individuationsvorstellungen verloren hat. Oft findet man auch den typischen >>Pechvogel<< unter den Depressiven, wie im folgenden Beispiel:

„Ich kann mir noch so viel Mühe geben, es geht doch immer wieder alles schief bei mir. Gestern war ich beim Friseur; der hat mir die Frisur völlig verpatzt, völlig verschnitten. Dann hat mich ein bestellter Handwerker sitzen gelassen – so was passiert auch nur mir. Zum Trost wollte ich mir eine Bluse kaufen; zu Hause gefiel sie mir nicht mehr – ich hatte eigentlich ganz was anderes gewollt.“

Hier sieht man ganz eindeutig einen Menschen, der verlernt hat seine Wünsche klar auszudrücken. Ihre Wünsche sind unklar und unbestimmt. Das führt immer wieder zu Enttäuschungen und sie lastet es immer wieder äußeren Umständen an („Pechvogel-Dasein). Sie konnte ihrem Friseur nicht eindeutig vermitteln, wie sie ihre Haare haben wollte. Zum Ausgleich wollte sie sich „etwas Gutes tun“. Sie fühlte sich vom Leben benachteiligt, realisierte aber nicht, dass die Unbestimmtheit ihrer Wünsche und vor allem das nicht gekonnte Fordern dieser Ursache ihres „Unglücks“ sind.

Die Angst vor der Veränderung (zwanghafte Persönlichkeit)

Die Sehnsucht nach Dauer sitzt tief in uns. Das Verlässliche und das Vertraute sind besonders in unserer Kindheit wichtige Entwicklungsfaktoren. Die Beständigkeit lehrt uns Vertrauen. Besonders beim schizoiden kann man erkennen, was passiert, wenn diese Erfahrungen in der Kindheit ausbleiben. Die Wiederkehr von Eindrücken, die Ordnung, die es in der Welt gibt, ist wichtig für die Entwicklung unseres Gedächtnisses und Orientierungssinns. Das Streben nach Dauer gehört zu unserem Wesen. Manchmal merken wir gar nicht, wie wichtig das Vertraute für uns ist. Erst wenn uns etwas Vertrautes genommen wird, etwas, das wir für unveränderlich hielten, plötzlich nicht mehr da ist, spüren wir den Schauder der Vergänglichkeit. Wir werden unserer Vergänglichkeit und der Vergänglichkeit aller Dinge bewusst. Je stärker wir uns gegen diese Angst wehren, desto stärker überfällt sie uns.

Was passiert, wenn ein Mensch sich nach dieser Angst richtet? (Vergänglichkeit wird überwertig erlebt)

Ein solcher Mensch hat die Neigen alles beim Alten zu lassen. Er wird versuchen Veränderungen so weit wie möglich zu vermeiden. Er sucht Dinge, die er schon kennt, die ihm vertraut sind immer und immer wiederzufinden und wiederherzustellen. Wenn sich aber doch etwas verändert, fühlt er sich gestört, unruhig, sogar geängstigt. Doch das Leben läuft wie ein Fluss, es ist im ewigen Wandel. Der Versuch sich dagegen zu wehren zeigt sich zum Beispiel im eiserenen Festhalten an Meinungen, Erfahrungen, Einstellungen, Grundsätzen und Gewohnheiten. Solche Dinge sind für ihn unumstößliche Gesetze. Neue Erfahrungen werden nach Möglichkeit vermieden oder wenn sie doch mal geschehen ganz schnell in etwas „schon-Gewusstes“ umgedeutet. Der Vorteil daran, ist das er neue Dinge nicht einfach in blindem Fortschrittsglauben annimmt, gleichzeitig bremst er seine eigene Entwicklung – verhindert sie sogar ganz. Bodo Schäfer würde dazu sagen, dass ein solche Mensch wie tot ist. Ein Mensch, der nicht mehr wächst, lebt auch nicht richtig. Das Kernproblem des zwanghaften Menschen ist also sein Sicherungsbedürfnis – oder: Angst vor Risiko, Wandlung und Vergänglichkeit.

„Ein Mann, Mitte der Dreißig, besaß eine umfangreiche Bibliothek. Er ging indessen immer in Leihbüchereien und benutzte seine eigenen Bücher nicht, mit der >>Begründung<<, er könne einmal an einen Ort versetzt werden, wo es keine Leihbücherei gebe – was täte er dann, wenn er die eigenen Bücher schon alle gelesen hätte?“ (S124) Hier scheint es gerade zu grotesk, wie seine Angst davor, dass etwas zu Ende gehen könnte sein Verhalten bestimmt. Manche zwanghafte Menschen haben volle Kleiderschränke mit neuen Klamotten, tragen aber immer nur die alten Sachen, um die neuen als Reserve zu haben. Etwas Neues zu benutzen heißt nämlich gleichzeitig auch den Gegenstand der Vergänglichkeit auszusetzen (schrecklich). Es könnte ja etwas abnutzen und damit ist das Ende ja auch schon zum Greifen nah. Alles was zu Ende geht, erinnert letztendlich an den Tod. Wir alle haben den Wunsch nach Dauer und Unsterblichkeit. Wir alle suchen nach der Unendlichkeit des Lebens. Dinge so vorzufinden wie wir sie verlassen haben beruhigt uns; es bietet uns fast schon eine tiefe Befriedigung. Der Sammeltrieb ist ein tolles Beispiel dafür. Wir sammeln Fotos, um Momente festzuhalten, nehmen Souvenirs mit, bewahren uns einen Teil der Vergangenheit in der Gegenwart und unserem Gefühl nach auch in der Zukunft. Diese festgehaltenen Momente überdauern die Zeit. Aus diesem Wunsch nach Beständigkeit, der aus Angst vor Veränderung genährt entstehen zum Beispiel Traditionen, familiärer, gesellschaftlicher, moralischer, politischer, wissenschaftlicher und religiöser Natur. Je mehr Sicherheit einem das Gelernte, Gewohnte und Geglaubte bietet, desto energischer wird man dies verteidigen. Das muss per se nichts Schlechtes sein. Zwanghafte Menschen können sich nur schwer damit abfinden, dass sich manches ihrer Macht entzieht. Er glaubt, alles in einem System einfangen zu können. Bewusst oder unbewusst wirkt sich das auch auf menschliche Beziehungen aus. Er möchte den Mitmenschen zu viel vorschreiben, wie er sie haben will. Diese Menschen haben immer Angst, dass alles auseinanderfallen würde, oder ins Chaos stürzen würde, wenn sie lockerließen. Ohne Selbst- und Fremdkontrolle würde nichts mehr richtig funktionieren; Spontanität ist der Feind. Ungewolltes darf nicht passieren. >>Was kann alles passieren?<< Vor lauter Absicherung wird manchmal das Leben vergessen. „Ein Patient, aufgefordert, sich auf der Couch zu entspannen und seinen Einfällen zu überlassen, sagte entrüstet: >>Aber dann kommt doch die ganze Scheiße hoch<< – damit drastisch ausdrücken, wie viel er verdrängt hatte und durch dauerndes Sich-Kontrollieren und >>Zusammennehmen<< in der Verdrängung hielt. Absicherung gegen alles, was nicht sein darf, was man vermeiden will, wird für den zwanghaften Menschen zum wichtigsten Lebensprinzip, für dessen Erhaltung er sehr erfinderisch ist.“ (S127) „Ein Mann kommt in den Himmel, sieht dort zwei Türen mit den Aufschriften >>Tor ins Himmelreich<< und >>Tor zu Vorträgen über das Himmelreich<< – und er geht durch das zweite Tor. (S128)

Die Angst vor der Notwendigkeit (hysterische Persönlichkeit)

Das Neue, der Reiz Unbekanntes zu erleben ist genauso Teil von uns wie der Wunsch nach Dauer und Sicherheit. Abendteuer, ferne Länder, neue Leute – diese Dinge üben eine Anziehung auf uns aus. Genauso wie Heimweh empfinden wir auch Fernweh. Hier versteckt sich die letzte der vier Grundformen der Angst, „die Angst vor dem Endgültigen, Unausweichlichen, vor der Notwendigkeit und vor der Begrenztheit unseres Freiheitsdranges.“(S179) Diese Angst ist das Spiegelbild des Zwanghaften. Wenn der zwanghafte Mensch Risiko scheute, geht es bei der hysterischen Persönlichkeit um das genaue Gegenteil. Sie streben nach Freiheiten, nach Neuem, Chancen, die in der Zukunft liegen. Sie fürchten sich vor Einschränkungen, Traditionen und festgelegten Grundsätzen. Sie leben nach dem Motto >>einmal ist keinmal<< oder >>nutze die Gelegenheit<< (Carpe diem). Der Augenblick ist wichtig, er könnte ja für immer verschwinden. Die Zukunft darf nicht geplant werden, man muss offen für sie sein und Gelegenheiten nutzen.

Was passiert, wenn die Angst vor der Einschränkung (dem Notwendigen) zu viel wird?

Wenn man von „Augenblick zu Augenblick lebt, nicht mit festen Plänen und klaren Zielen, sondern immer in der Erwartung von etwas Neuem, auf der Suche nach neuen Reizen, Eindrücken und Abenteuern, ablenkbar daher und verführbar durch den jeweils gerade vorherrschenden Reiz oder Wunsch, der sich […] anbietet.“ (S180) Verbindliche Ordnungen werden als Beschränkung der eigenen Freiheit gesehen und, wenn möglich, abgelehnt oder vermieden. Sie wünschen sich nicht wirklich die Freiheit für etwas, sondern eher die Freiheit von etwas.

Was passiert, wenn man nicht bereit ist die Spielregeln der Natur und menschlicher Beziehungen anzunehmen?

Man lebt wie in einer Gummiwelt, die scheinbar beliebig nachgiebig und willkürlich dehnbar ist. Ihre Ordnungen muss man nicht ernst nehmen, weil sie sich ja sowieso immer wieder verändern. In dieser Welt gibt es für alles Hintertürchen, um den Konsequenzen des eigenen Handelns zu entfliehen. Der Zusammenhang von Ursache und Wirkung (Kausalität) gilt nicht für mich – ich bin nicht bereit, die Konsequenzen für mein Handeln anzunehmen, vielleicht gelten sie ja heute und hier nicht. Natürlich muss man dann alles meiden und fürchten, was unausweichlich festgelegt ist: das Altern und der Tod, Konventionen, Spielregeln aller Art, Vorschriften und Gesetze. Die hysterische Persönlichkeit fürchtet sich vor der >>Realität<< – sie ist nicht genug. Man „stellt sie infrage, man relativiert, bagatellisiert oder übersieht sie, man versucht sie zu sprengen, sich ihr zu entziehen und was es sonst noch an Möglichkeiten gibt, ihr auszuweichen, sie nicht anzuerkennen. Damit erlangt man eine Scheinfreiheit, die mit der Zeit immer gefährlicher zu werden pflegt, weil man so in einer unwirklichen, illusionären Welt lebt, in der es nur Phantasie, Möglichkeiten und Wünsche gibt, keine begrenzenden Realitäten. So lebt man mehr und mehr in einer Pseudorealität, in einer >>unwirklichen Wirklichkeit<<. Aber je mehr man sich von der Realität entfernt, umso mehr bezahlt man seine Scheinfreiheit damit, dass man sich in der >>wirklichen Wirklichkeit<< nicht auskennt, mit ihr nicht umgehen kann. Das führt dann dazu, dass die Versuche, sich doch mit ihr einzulassen, zu wenig gekonnt sind und daher enttäuschend verlaufen, woraufhin man sich noch mehr in seine Wunschwelt zurückzieht, und die Kluft zwischen Wunschwelt und Wirklichkeiten immer größer wird – der Teufelskreis bei Menschen mit hysterischer Persönlichkeit.“ (S181) Hysterische Persönlichkeiten tun so als ob die Kausalität zwischen der eigenen Handlung und den Konsequenzen nicht für sie gilt – zumindest nicht jetzt gerade in dieser Situation (D.h. auch wenn die Regeln normalerweise gelten, sind sie jetzt aus irgendeinem persönlichen Grund nicht gültig). „Eine Schulklasse sollte für einen wohltätigen Zweck Abzeichen verkaufen. Jede Schülerin bekam eine Sammelliste, in welche die eingenommenen Beiträge vom Spender eingetragen werden sollten, und eine bestimmte Menge zu verkaufender Abzeichen. Die dreizehnjährige Inge ging mit dem ihr eigenen Charme unbefangen und mit gewinnendem Lächeln auf die Leute zu, sodass jeder das Gefühl hatte, ihr nichts abschlagen zu können. In kurzer Zeit hatte sie ihre Abzeichen verkauft. Sie hatte nun den intensiven Wunsch, sich etwas Gutes zu tun, verspürte einen plötzlichen Heißhunger auf etwas Süßes –  sie war ja so besonders tüchtig gewesen und hatte sich das doch wohl verdient. Zugleich war das Geld eine Versuchung; es bot so viele Möglichkeiten – an die Herkunft und den Zweck des Geldes dachte sie gar nicht mehr – im Augenblick jedenfalls >>gehörte es ihr<<. Sie konnte den Wunsch nicht aufschieben, nahm von dem eingenommenen Geld etwas weg und kaufte sich ihre Lieblingssüßigkeit – mit der für solche Menschen charakteristischen vagen Vorstellung, sie werde das schon wieder >>irgendwie<< in Ordnung bringen, nur erfüllt von einem Bedürfnis, das Sofortbefriedigung verlangte.“ (S182) Wir sehen hier schon wie schwer es ihr fällt, Spannung zu ertragen. Jeder Impuls, jeder Wunsch muss unbedingt sofort befriedigt werden. Warten ist unerträglich. Versuchungen kann sie schwer wiederstehen. Schauen wir uns an, wie sie sich daraufhin selbst in den Teufelskreis der hysterischen Persönlichkeit wirft. „Am selben Tag sollten die Listen und Gelder in der Schule abgeliefert werden: Was tun? Sie ging zu ihrer Lehrerin und bat sie um weitere Abzeichen; sie könne sicher noch mehr verkaufen und werde dann die gesammelten Gelder insgesamt abliefern – das schon eingenommene Geld habe sie inzwischen zu Hause gelassen (dabei einige Ausreden zu viel erfindend, was ebenfalls charakteristisch ist, denn eine Ausrede oder Schwindelei braucht umso mehr >>Begründungen<<, um sie glaubhaft zu machen, auf je schwächeren Füßen sie steht, mehr jedenfalls, als ein wahrheitsgemäßer Tatbestand). Sie bekam neue Abzeichen – nun war erstmal Zeit gewonnen, und vielleicht geschah inzwischen irgendein >>Wunder<<, das die Situation für sie lösen würde (dieses Zeitgewinnen und andere durch Versprechungen hinzuhalten ist ebenfalls typisch). Inzwischen war es Abend geworden und damit der letzte Termin zur Ablieferung der Gelder herbeigekommen. Sie kam auf einen – wie ihr schien – glänzenden Einfall: Sie ging zur Wohnungsnachbarin und fragte sie, ob sie ihr den fehlenden Betrag bis morgen leiehen könne – sie brauche dringend ein paar Schulhefte; die Mutter sei gerade bei einer Freundin, und sie könne sie daher im Augenblick nicht erreichen. Sie bekam den Betrag, und wieder war Zeit gewonnen und Raum offen für ein Wunder; zunächst jedenfalls war sie in der Lage, das Geld vollzählig abzuliefern. Die Nachbarin und der ihr geschuldete Betrag wurden vergessen, mit der leisen Hoffnung, dass durch ihr eigenes Nicht-daran-Denken vielleicht auch die Nachbarin mehr an die >>paar Pfennige<< denken würde.“ (S183) Hysteriker sind Meister solcher Systeme. Sie haben Erwartungsvorstellungen von möglichen Wundern und Patentlösungen ausgebildet und glauben mit einer unglaublichen Naivität an sie. Der eigentliche Kern des ganzen Schlamassels – das geklaute Geld – ist längst vergessen. Im Fokus steht nur noch, dass man von der Nachbarin einen kleinen Betrag ganz ehrlich und legal geliehen hat, den man natürlich zurückzahlen wird (Wie und Wann? – keine Ahnung). >>Kommt Zeit kommt Rat<<

„Nach einigen Tagen bat die Nachbarin Inges Mutter um das Geld, die ganze Sache kam auf und war nun viel unangenehmer, als es das Zugeben zur rechten Zeit gewesen wäre. Das Nichtverzichtenkönnen auf die Sofortbefriedigung ihres Wunsches wurde zum Auslöser einer ganzen Kette von unangenehmen Folgen, die den kurzfristigen Genuss viel zu teuer erkauft sein ließen.“ (S184)

Was bedeuten die Ängste für mich?

Die großen Ängste unseres Daseins sind fundamental für unsere Entwicklung. Wenn wir versuchen ihnen auszuweichen, bezahlen wir das mit vielen kleinen Ängsten, die unsere Entwicklung behindern und uns als Mensch zurückhalten. Es ist immer ein guter Hinweis, wenn man etwas aus dem Weg gehen möchte. Da versteckt sich nämlich eine versteckte Angst, die wir aufdecken können und ihr ins Antlitz zu blicken wird uns stärken!

Im Umgang mit Ängsten trainieren wir unseren Geist. Wir entwickeln ein Gespür für die tatsächliche Motivation unseres Verhaltens. Wir lernen unsere Emotionen zu kontrollieren. Wissen über die eigenen Ängste, kann uns auf die nächste Stufe der Persönlichkeitsentwicklung heben. Unser eigenes Verhalten wird zugänglicher für Veränderungen. Diese Fähigkeit ist unerlässlich für unseren Erfolg!

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2 Gedanken zu “Die vier Angsttypen – welcher bist Du? Und wie kannst Du Angst für deinen Erfolg nutzen kannst

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